Samstag , 11 Juli 2020
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vliestapete überstreichen
Interior Design/shutterstock.com

Vliestapete überstreichen: Welche Möglichkeiten gibt es?

Rauhfaser war gestern! Immer mehr Menschen setzen bei der Wanddekoration auf Vliestapete. Ihre Vorteile liegen auf der Hand. Sie lässt sich einfacher und vor allem genauer an die Wand bringen, da sie sich während des Tapeziervorgangs nicht so stark ausdehnt. Sie muss vor dem Tapezieren nicht erst mit Tapetenkleister vorbehandelt und eingeweicht werden, sondern kann trocken mit einem Spezialkleber an die Wand gebracht werden. Zudem ist sie um einiges widerstandsfähiger und langlebiger als andere Tapetenarten.

Vliestapete überstreichen: Ist das überhaupt möglich?

Entscheidend ist hier die Beschaffenheit der Oberfläche der Vliestapete. Sofern diese mit einer Kunststoffschicht überzogen ist, lässt sich die Tapete nicht überstreichen. Die Farbe haftet nicht auf der Oberfläche. Zudem sind einige Vliestapeten mit dekorativen Oberflächenstrukturen und -mustern versehen. Hier kann ein Überstreichen ebenso schwierig werden. Es kann sogar dazu führen, dass sich die gesamte Optik der Vliestapete durch die Überstreichungen zum Negativen verändert. Ein solches Ergebnis möchte man bei einem neuen Anstrich ja gerade vermeiden. Daher kann es sinnvoll sein, bereits bei der Auswahl und dem Kauf von Vliestapete zu überlegen, ob man diese eventuell in einigen Jahren überstreichen möchte.

Wenn ja, sollte man auf jeden Fall darauf achten, eine Vliestapete ohne Kunststoffüberzug und ohne aufwendige Ornamente oder Muster zu wählen. Dies macht den Farbwechsel später leichter. Wer dennoch nicht auf Strukturen oder Muster verzichten möchte, sollte solche wählen, die das Überstreichen mit einer anderen Farbe nicht unnötig erschweren.

Wie bereitet man seine Vliestapete auf das Überstreichen vor?

Zunächst sollte man die umliegenden Wände oder Wandteile, die nicht gestrichen werden sollen, mit sogenanntem Malerkrepp abkleben. Dieses bekommt man schon sehr günstig im Baumarkt in der Abteilung für Malerbedarf. Dann sollten die umliegenden Möbel vor Farbspritzern in Sicherheit gebracht werden. Hierzu verwendet man am besten Malerfolie. Auch diese findet sich in jedem gut sortierten Baumarkt. Dann beginnt man mit der Grundierung. Hierzu ist zunächst das Überstreichen mit sogenanntem Tapetengrund erforderlich. Dieser ist neutral, also noch nicht farbig. Auch ihn findet man im Malerbedarf.

Ohne das Grundieren mit Tapetengrund wird unter Umständen keine gleichmäßige Deckkraft der späteren Farbe erreicht. Die Grundierung lässt man dann erst einmal trocknen. In der Zwischenzeit kann man sich schon seine Utensilien für das Streichen bereit legen.

Das Überstreichen: Schritt-für-Schritt

Hierfür verwendet man am besten herkömmliche Farbrollen und Pinsel. Bei den Farbrollen sollte man darauf achten, dass man ein Modell mit einer langflorigen Oberfläche benutzt. Daran bleibt die Farbe besser haften und der Anstrich hat eine bessere Deckkraft. Auch die Farbwahl ist entscheidend. Hat man es mit einer kräftigen Ausgangsfarbe der Vliestapete zu tun, sollte man auf Latexfarbe setzen. Diese ist zwar deutlich teurer als herkömmliche Wandfarben, garantiert aber auch bei schwierigen Ausgangsfarben eine hohe Deckkraft. Für schlichte Ausgangsfarben der Vliestapete reicht demnach eine normale Dispersionswandfarbe aus. Zuerst nimmt man sich die Ecken und Kanten vor und bearbeitet diese mit Pinseln.

Dies verhindert später das „Übermalen“ auf andere Wandareale mit der größeren Farbrolle. Zudem benötigt man unbedingt ein Abrollgitter. Dieses klemmt man in den Eimer mit der Farbe. Darauf kann während des Streichens überschüssige Farbe von der Farbrolle und den Pinseln abgestrichen werden. Das verhindert einen zu dicken Farbanstrich. Dieser könnte nach dem Trocknen abbröckeln und unschöne Risse hinterlassen. Bei dem Anstrich mit der Farbrolle sollte man unbedingt im Kreuzmuster rollen – zuerst in die eine Richtung hin und her streichen, danach streicht man quer dazu in die andere Richtung in genau demselben Muster.

Danach sollte man die erste Farbschicht erst einmal trocknen lassen, um die Deckkraft zu ermitteln und um festzustellen, ob es einen weiteren Anstrich braucht. Manche Vliestapeten haben beispielsweise eine besonders dunkle Ausgangsfarbe und scheinen deshalb durch den ersten Anstrich durch. Sollten weitere Anstriche nötig sein, um das gewünschte Endergebnis zu erzielen, wird wieder im Kreuzmuster gestrichen.

Nachsorge und Fazit

Die Folie und das Malerkrepp sollten erst nach vollständigem Trocknen der gestrichenen Wände entfernt werden, da die Ränder sonst verwischen könnten. Auch Sofas und andere Möbel, die vorher an der nun frisch gestrichenen Wand standen, sollten erst wieder an die Wand positioniert werden, wenn diese vollständig getrocknet ist. Sollte es nicht möglich sein, die Vliestapete mit ausreichender Deckkraft zu überstreichen, kann es sinnvoll sein, die Tapete vollständig zu entfernen und die darunter liegende Wand zu streichen. Vliestapete lässt sich, im Gegensatz zu Rauhfasertapete, leichter von der Wand ablösen. Daher kann dies manchmal die einfachere Variante sein, wenn es um das Neugestalten der Wände und dem Überstreichen geht.

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